Montag, 27.07.2026

Ratten in der Stadt: Was Anwohner in Bochum wissen müssen

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Wer in Bochum abends durch enge Hinterhöfe geht, an Mülleinhausungen vorbei oder entlang der Kanalisationsschächte in Wattenscheid und Ehrenfeld, sieht sie hin und wieder huschen. Ratten gehören zur Großstadt wie Tauben und Straßenbahnlinien. Doch was viele für ein Randproblem halten, ist in dicht besiedelten Ruhrgebietskommunen ein strukturelles Thema, das Ordnungsämter, Wohnungsverwaltungen und Fachbetriebe gleichermaßen beschäftigt. Dieser Ratgeber ordnet ein, warum Bochum besonders betroffen ist, welche alltäglichen Gewohnheiten den Bestand fördern und welche Regeln bei einem Befall gelten.

Warum das Ruhrgebiet ein Nährboden für Nagetiere ist

Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist die in Deutschland mit Abstand häufigste Art im urbanen Raum. Sie lebt bevorzugt in bodennahen Bereichen, in Kanalisationen und an Uferzonen. Genau hier liegt eines der zentralen Probleme des Ruhrgebiets. Bochum verfügt laut Angaben der Stadtentwässerung über ein Kanalnetz von rund 1.300 Kilometern Länge, das in weiten Teilen vor Jahrzehnten verlegt wurde. Alte Anschlüsse, gebrochene Rohre und offene Fallleitungen bieten Ratten ideale Wanderwege bis in Hinterhöfe und Kellerbereiche.

Hinzu kommt die typische Bebauungsstruktur vieler Bochumer Stadtteile. Reihenhäuser, verwinkelte Hinterhöfe, dicht gestellte Mülltonnen und teils vernachlässigte Brachflächen entlang alter Zechenareale schaffen Rückzugsräume. Das Bundesumweltamt weist seit Jahren darauf hin, dass die Rattenpopulation in deutschen Städten steigt, insbesondere durch mildere Winter und ein wachsendes Nahrungsangebot im öffentlichen Raum.

Wer eine belastbare fachliche Einordnung sucht, findet Ansprechpartner vor Ort. „Wir sehen in Bochum seit einigen Jahren eine deutliche Zunahme an Meldungen, vor allem in Vierteln mit älterer Kanalisation und intensiver Außengastronomie“, sagt Alex Goldfarb, Geschäftsführer der Experta Schädlingsbekämpfung im Ruhrgebiet. „Ein Weibchen kann pro Jahr bis zu 60 Nachkommen haben. Wenn die Nahrungsquelle stabil ist, wächst eine Kolonie sehr schnell.“

Müll, Vogelfutter und offene Kanäle: die drei häufigsten Ursachen

Ratten sind Kulturfolger. Sie kommen nicht, weil ein Haus alt ist, sondern weil sie dort etwas finden. Drei Faktoren tauchen in Bochum immer wieder auf.

Erstens der Umgang mit Restmüll. Nicht geschlossene Biotonnen, überfüllte Container an Mehrfamilienhäusern und Essensreste in Straßenpapierkörben liefern verlässliche Nahrung. Bereits wenige Gramm täglich reichen aus, um ein Tier zu versorgen.

Zweitens die Vogelfütterung. Was gut gemeint ist, wird zum Problem, wenn Körner, Brot oder Meisenknödel auf Balkonen, in Vorgärten oder auf öffentlichen Grünflächen ausgestreut werden. Was Tauben und Spatzen tagsüber übrig lassen, holen sich nachts die Ratten. Die Stadt Bochum weist in ihrer Ordnungsbehördlichen Verordnung ausdrücklich darauf hin, dass das Auslegen von Futter auf öffentlichen Flächen untersagt ist, wenn dadurch Ratten angelockt werden.

Drittens defekte oder offene Kanalisationsanschlüsse. Alte Fallrohre ohne Rückstauklappen, offene Revisionsschächte im Garten und undichte Hausanschlüsse sind ein Einfallstor. Fachbetriebe empfehlen bei wiederkehrendem Befall regelmäßig eine Kamerabefahrung der privaten Abwasserleitung.

Warum Baumarktfallen und Gifte selten die Lösung sind

Der Griff zur frei verkäuflichen Schlagfalle oder zum Ködergift aus dem Baumarkt ist verständlich, führt aber selten zum Ziel. Ratten sind neophob, also misstrauisch gegenüber neuen Objekten in ihrem Revier. Eine plötzlich aufgestellte Falle wird häufig tagelang gemieden.

Hinzu kommt ein Problem, das in der Fachliteratur seit Jahren dokumentiert ist. Studien des Julius Kühn-Instituts zeigen, dass in Teilen Nordrhein-Westfalens Resistenzen gegen Wirkstoffe der zweiten Generation, etwa Bromadiolon und Difenacoum, bei Wanderratten nachweisbar sind. Ein Köder, der im Baumarkt verkauft wird, kann bei einer resistenten Population also wirkungslos bleiben. Zusätzlich unterliegt die Anwendung bestimmter Rodentizide seit der Neufassung der EU-Biozidverordnung strengen Auflagen. Nicht sachkundige Anwender dürfen viele Produkte gar nicht mehr regulär einsetzen, insbesondere nicht dauerhaft in Köderstationen im Freien.

Ein weiteres Problem ist die Sekundärvergiftung. Ein vergiftetes Tier, das langsam verendet, wird häufig von Katzen, Greifvögeln oder Füchsen aufgenommen. Fachgerechte Bekämpfung arbeitet daher mit geschützten Köderstationen, dokumentierten Ausbringungen und einer regelmäßigen Nachkontrolle nach den Kriterien der Berufsgenossenschaft und des Umweltbundesamtes.

Meldepflicht: Was das Bochumer Ordnungsamt verlangt

Vielen Anwohnern ist nicht bewusst, dass ein Rattenbefall auf dem eigenen Grundstück meldepflichtig ist. Grundlage ist die Ordnungsbehördliche Verordnung zur Bekämpfung von Ratten der Stadt Bochum, die sich auf das Infektionsschutzgesetz stützt. Ratten können Krankheitserreger wie Leptospiren, Salmonellen oder Hantaviren übertragen. Aus diesem Grund gilt: Wer auf seinem Grundstück Ratten feststellt, ist verpflichtet, dies dem Ordnungsamt oder Gesundheitsamt zu melden und unverzüglich Bekämpfungsmaßnahmen einzuleiten.

Die Meldung ist in Bochum über das Servicetelefon der Stadt oder online möglich. Für Mieter gilt: Zuständig für die Beauftragung eines Fachbetriebs ist in der Regel die Eigentümerin oder der Eigentümer. Wer als Mieter einen Verdacht hat, sollte die Hausverwaltung schriftlich informieren und die Meldung parallel beim Ordnungsamt einreichen. Kosten für die Bekämpfung trägt üblicherweise die Eigentümerseite, sofern der Befall nicht nachweislich durch mieterseitiges Verhalten, etwa unsachgemäße Müllentsorgung, verursacht wurde.

Was Anwohner konkret tun können

Vorbeugung ist wirksamer als Bekämpfung. Mülltonnen sollten grundsätzlich geschlossen bleiben, Essensreste gehören nicht in die Toilette, denn sie landen direkt in der Kanalisation. Vogelfütterung im Sommer ist nach Empfehlung des NABU ohnehin verzichtbar. Kompost sollte nur in geschlossenen Behältern angelegt werden, offene Haufen mit Küchenabfällen sind ein zuverlässiger Anziehungspunkt.

Bei einem konkreten Verdacht, etwa Kotspuren entlang von Wänden, Nageschäden an Kabeln oder auffälligen Laufwegen im Garten, empfiehlt sich zunächst die Meldung an das Ordnungsamt und die Beauftragung eines zertifizierten Fachbetriebs mit Sachkundenachweis nach TRGS 523. Wer schnell handelt, verhindert, dass aus einzelnen Tieren binnen weniger Monate eine stabile Kolonie wird, deren Bekämpfung deutlich aufwendiger und kostenintensiver ausfällt.

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