Die Zahl der Menschen, die sich neben dem Hauptberuf selbstständig machen, steigt seit Jahren. Auch in Bochum und der gesamten Ruhrregion zeigt sich eine Entwicklung, die zahlreiche wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren miteinander verbindet. Zusätzliche Einnahmen, digitale Geschäftsmodelle und ein wachsender Wunsch nach beruflicher Unabhängigkeit sorgen dafür, dass immer mehr Beschäftigte den Schritt in den Nebenerwerb wagen.
Nach aktuellen Daten des KfW-Gründungsmonitors entfällt inzwischen der überwiegende Teil der Existenzgründungen in Deutschland auf den Nebenerwerb. Bereits 2024 erfolgten rund zwei Drittel aller Gründungen neben einer bestehenden Beschäftigung. Die Entwicklung setzte sich anschließend fort und erreichte neue Höchststände.
Bochum profitiert von einer aktiven Gründerszene
Die Voraussetzungen für einen Start in die Selbstständigkeit gelten in Bochum als günstig. Hochschulen, Technologiezentren und ein breites Netzwerk aus Beratungsangeboten schaffen ein Umfeld, das Gründungsinteressierten zahlreiche Möglichkeiten eröffnet. Die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet begleitet Unternehmer bei Fragen rund um Gewerbeanmeldung, Genehmigungen und rechtliche Rahmenbedingungen.
Zudem verfügt die Region über eine vielfältige Wirtschaftsstruktur. Neben Industrie und Dienstleistungen gewinnen digitale Angebote, Beratungsleistungen sowie kreative Tätigkeiten zunehmend an Bedeutung. Gerade diese Bereiche eignen sich häufig für einen Einstieg im Nebenerwerb, da sie mit geringem Kapitalbedarf verbunden sind.
Zusatzeinkommen spielt eine wichtige Rolle
Steigende Lebenshaltungskosten gehören zu den wichtigsten Gründen für die wachsende Zahl an Nebenerwerbsgründungen. Viele Beschäftigte suchen nach zusätzlichen Einnahmequellen, ohne sofort die Sicherheit eines festen Arbeitsverhältnisses aufzugeben. Gleichzeitig zeigt sich, dass zahlreiche Gründer ihre Geschäftsidee zunächst im kleinen Rahmen testen möchten.
Ein Whitepaper des KfW-Gründungsmonitors verdeutlicht, dass Nebenerwerbsgründungen häufig als risikoarmer Einstieg in die Selbstständigkeit dienen. Unternehmer können Kunden gewinnen, Prozesse aufbauen und Marktpotenziale prüfen, während das Haupteinkommen weiterhin über eine Festanstellung gesichert bleibt.
Digitale Geschäftsmodelle senken die Einstiegshürden
Ein weiterer Treiber liegt in der Digitalisierung. Viele Dienstleistungen lassen sich heute ortsunabhängig anbieten. Online-Handel, Content-Erstellung, Webdesign, Marketingberatung oder IT-Dienstleistungen benötigen oft weder ein Ladenlokal noch hohe Anfangsinvestitionen.
Die KfW weist darauf hin, dass digitale Geschäftsmodelle inzwischen einen erheblichen Anteil am Gründungsgeschehen besitzen. Dadurch sinken die Markteintrittsbarrieren und neue Geschäftsideen lassen sich deutlich einfacher erproben als noch vor wenigen Jahren.
Diese Vorteile sprechen für ein Kleingewerbe
Für viele Gründer stellt das Kleingewerbe die einfachste Form des Einstiegs dar. Die Anmeldung erfolgt unkompliziert und die laufenden Verwaltungsaufgaben bleiben überschaubar.
Wichtige Vorteile sind:
- geringer organisatorischer Aufwand bei der Gründung
- Möglichkeit, Geschäftsideen zunächst nebenberuflich zu testen
- überschaubare laufende Kosten
- flexible Arbeitszeiten neben dem Hauptberuf
- Chance auf den späteren Ausbau zum Vollerwerb
Auch das Land Nordrhein-Westfalen informiert gezielt über die Möglichkeiten einer Gründung im Kleingewerbe und stellt digitale Unterstützungsangebote für angehende Unternehmer bereit.
Regionale Wirtschaft profitiert von neuen Unternehmern
Die steigende Zahl an Nebenerwerbsgründungen besitzt nicht nur für die einzelnen Unternehmer Bedeutung. Auch die regionale Wirtschaft profitiert von zusätzlicher Innovationskraft und neuen Dienstleistungen. Viele erfolgreiche Unternehmen beginnen zunächst als kleines Nebengewerbe und entwickeln sich erst später zu etablierten Marktteilnehmern.
Für den Wirtschaftsstandort Bochum ist diese Entwicklung besonders interessant. Die Region befindet sich seit Jahren im Strukturwandel und setzt verstärkt auf wissensintensive Dienstleistungen, Technologieunternehmen und digitale Geschäftsmodelle. Neue Unternehmer tragen dazu bei, wirtschaftliche Dynamik zu erzeugen und zusätzliche Wertschöpfung in der Region zu schaffen.
Die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet sowie weitere regionale Wirtschaftseinrichtungen beobachten deshalb ein anhaltend hohes Interesse an Gründungsberatungen und Informationsangeboten für angehende Selbstständige.
Während klassische Vollerwerbsgründungen weiterhin eine wichtige Rolle spielen, zeigt sich zunehmend, dass der Nebenerwerb für viele Menschen der bevorzugte Weg in die Selbstständigkeit ist. Gerade in einer wirtschaftlich vielseitigen Region wie Bochum bietet das Kleingewerbe die Möglichkeit, unternehmerische Ideen mit überschaubarem Risiko zu erproben und langfristig neue Perspektiven zu schaffen.
Häufig gestellte Fragen zum Kleingewerbe im Nebenerwerb
Muss ein Nebengewerbe beim Arbeitgeber gemeldet werden?
In vielen Fällen besteht eine Informationspflicht gegenüber dem Arbeitgeber. Maßgeblich sind der Arbeitsvertrag, tarifliche Regelungen oder betriebliche Vereinbarungen. Zudem darf die Nebentätigkeit weder die Arbeitsleistung beeinträchtigen noch in direkter Konkurrenz zum Arbeitgeber stehen. Vor der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit empfiehlt sich daher eine Prüfung der vertraglichen Vorgaben.
Wie hoch darf der Umsatz bei einem Kleingewerbe sein?
Für die Kleinunternehmerregelung gilt seit 2025, dass der Umsatz im Vorjahr 25.000 Euro nicht überschreiten darf und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht übersteigen kann. Innerhalb dieser Grenzen wird in der Regel keine Umsatzsteuer erhoben, was den Verwaltungsaufwand reduziert.
Kann aus einem Nebengewerbe später ein Hauptgewerbe entstehen?
Ja, viele Unternehmen starten zunächst im Nebenerwerb. Dadurch besteht die Möglichkeit, Geschäftsmodelle, Produkte oder Dienstleistungen unter realen Marktbedingungen zu testen. Steigen Nachfrage und Umsatz dauerhaft, erfolgt häufig der Wechsel in die hauptberufliche Selbstständigkeit. Das Nebengewerbe dient somit oft als wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum eigenen Unternehmen.

